Unglaublich

                                

Wenn es warm wird, werde ich unruhig, dann möchte ich mit dem Fahrrad dahin wo ich noch nicht war. Sankt Petersburg im Osten als Reiseziel habe ich ganz oben auf meiner Liste, aber wie allgemein bekannt ist, ist Putin Land, aktuell das Reich des Bösen. Ich muss mir also ein anderes Reiseziel ausdenken und schaue nach Westen. Start ist in Einhausen, Ziel ist das Monument "Mount Saint Michel", danach, um die Planung in einen Rundkurs zu verwandeln, noch einen Kreis um diese Punkte herum ziehen und fertig ist die Tourenplanung, die ich im Rahmen dieser Beschreibung aktualisiert habe. Die nachfolgend beschriebene Quäl dich Tour "QDT2021" habe ich mit der freien Software Komoot geplant und danach auf mein neues Navi: "Garmin edge-explore" geladen. Dieses Navi ist jetzt bereits mein viertes Fahradnavi von Garmin. Das erste habe ich verloren und die beiden anderen lösten sich während der Fahrt aus der Halterung, fielen auf den Boden und danach waren diese Navis nicht mehr zu gebrauchen. In meinem neuen Navi ist einerseits der Akku fest verbaut (Ingenieurmäßige Meisterleistung von Garmin), wenn der Akku hin ist - und ein Akku geht erfahrungsgemäß als allererstes kaputt - kann ich dieses Navi ebenfalls wegwerfen und andererseits hat bei meinen vorhergehenden Navis öfters mal die Software blockiert und diese Blockade habe ich immer mit dem Ausbau des Akkus gelöst (Wer kennt nicht die Aussage der Hotline: Ziehen Sie mal den Stecker und zählen Sie bis zehn) und das geht jetzt auch nicht mehr. Ich bin also etwas unruhig bezüglich der Gebrauchsfähigkeit dieses wichtigen Werkzeuges meiner Tour. Die Produkt Beschaffenheit bezüglich: Nachhaltigkeit, Umwelt, CO2 Belastung und allen sonstigen wissenschaftlich/politisch gesicherten Unsinn der uns Schafen den ganzen Tag erzählt wird, ist mit dem fest verbauten Akku in der Realität auch nicht vereinbar. Im Gegensatz zur technischen Ausführung werden die Planungs - und die Realdaten Online erfasst und werden mit Account, Passwort, Handi ohne Schnur aber so was von absolut sicher auf einem Garmin Server gespeichert. Ich glaube das mit der Datensicherheit natürlich sofort, ich bin ja aus dem Reich der Guten. Und weil wir gerade beim Thema Gut und Böse sind, war es mir wichtig, auch noch die Schauplätze der beiden Weltkriege in der Normandie und Verdun zu besichtigen.

1. Tag: Start von Einhausen nach Bad-Wimpfen
Bis ich die Funktionen des neuen Navis halbwegs (Die Betonung liegt auf halbwegs) verstanden habe war ich auch schon in Heidelberg. Danach ging es weiter auf dem Neckar Radweg bis nach Kleingemünd und danach querfeldein, immer schön die Berge rauf - und danach wieder runter, bis in die Herberge zur Traube, in Bad-Wimpfen.

Fast hätte ich dieses wichtige Detail vergessen, es war warm, also ich meine richtig warm, - oder einfach ausgedrückt eine Bullenhitze und da macht einem das Alter und vor allen Dingen das zu viel an Körpergewicht zu schaffen.


 

2. Tag: Bad-Wimpfen nach Enslingen
Synchron zum ersten Tag, rauf und runter bei einer Bullenhitze bis in den Landgasthof Krone in Enslingen. Ich war, wie man so allgemein sagt: "Fix und fertig" oder auch, ein wunderschöner Radlertag.

3. Tag: Enslingen nach Feuchtwangen
Die Berge rauf und danach wieder runter und das bei einer Bullenhitze bis in das Karpfenhotel im Gasthaus Sindel-Buckel in Feuchtwangen. Für morgen ist weiterer Sonnenschein gemeldet, gegen Abend Hitzegewitter.

4. Tag: Feuchtwangen nach Kaldorf
War nix mit der Wettervorhersage, keine Hitze dafür Nieselregen bis in den Nachmittag, Hitzegewitter gab es keine. Meine neue Windjacke war für diese Wetterverhältnisse die richtige Investition. Ansonsten: Die übliche Geländebeschreibung, rauf und runter, vorbei am Altmühlsee bis in den Landgasthof Nieberler in Kaldorf und da war auch schon wieder schönstes Sonnenwetter.
Nach Weißenburg waren nur noch ländliche Gemeinden, alle ohne jegliche Möglichkeit zur Übernachtung, da überkommt einem schon mal so ein ungutes Gefühl und wenn du denkst es geht nichts mehr kommt irgendwo ein Landgasthof her, in diesem Fall in Kaldorf, wie für mich gemacht. Ich hatte das Gefühl: Es lief heute besser, immer noch eine Quälerei aber halt nicht mehr ganz so unangenehm, vielleicht lag das aber auch am Wetter.
Nachtrag: Hitzegewitter gab es dann doch noch und die waren extrem.

5. Tag: Kaldorf nach Ergolding
Entgegen meiner Planung bin ich bis Kehlheim an der Atltmühl gefahren und erst danach wieder auf meine ursprünglich vorgesehene Route zurückgekehrt.











6. Tag: Ergolding nach Holzham

Eigentlich wollte ich in Bad Birnbach übernachten, da gibt es jede Menge Übernachtungsmöglichkeit, aber ohne Impfnachweis hat man im Söderland keine Chance ein Bett zu bekommen, die lassen dich auf der Straße übernachten und geben einem noch die Empfehlung mit: "Sich bei den Politikern zu beschweren". Gastfreundlich geht anders, dass habe ich in Holzham erlebt, da hat das dann doch noch mit der Übernachtung geklappt. Scheinbar ist im Söderland bei Ortschaften die den Bäderstatus haben die Corona Regelung strenger.

7. Tag: Holzham nach Marktl
In Scharding an der Inn, ging die erste Etappe zu Ende und kurz danach hatte ich die erste Panne. Der Schaltzug hatte sich gelöst. Ich konnte dieses Problem mit dem gelösten Schaltzug aber schnell reparieren und danach ging es weiter bei schönstem Sommerwetter auf dem Inntal-Radweg nach Marktl am Inn. War übrigens die einzige Reparatur und keinen Sturz auf der ganzen Tour. Das hatte ich auch noch nie.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen, ich bin rückfällig geworden und habe mir die Deutsche Fußball Nationalmannschaft bei der Arbeit gegen Ungarn angesehen. Sorry, die heißen ja jetzt nur noch die Mannschaft, tragen schwarze Trikots und der Mannschaftsführer, trägt ein Schwulenbindchen um den Arm und so kicken sie auch. Grauenhaft, Ballbesitzfußball, die haben vergessen, dass Tore zählen und kein Ballbesitz und der schöne Trainer sagt das denen scheinbar auch nicht. Jetzt hör ich auf und setz mich aufs Rad, sonst wird es unsachlich.

8. Tag: Marktl nach Wasserburg
Es gibt Steigungen und andere Steigungen, heute hatte ich die anderen Steigungen, also die, die einem alten Sack wie mir so richtig weh tun. Egal, ist vorbei und nach der Dusche auch schon wieder vergessen. Ich bin oben und habe eine super Aussicht auf Wasserburg und auf die Inn. Tagsüber war eine Zeitlang der Himmel schwarz, mit Blitz und Donner aber kaum Regen. Da hat mich die Panik ergriffen und ich habe versucht eine Unterkunft zu finden.  Als ich eine gefunden hatte, war der ganze Spuk schon wieder vorbei und da bin ich dann wieder weitergefahren. Das mit dem Gewitter wurde aber Abends nochmals wiederholt und diesmal mit reichlich Regen. Wünsche darf auch ein Radfahrer haben. Mein Wunsch wäre: Nachts kann es regnen wenn es dafür tagsüber trocken bleibt. Meine Wünsche gingen aber nicht in Erfüllung, was etwas später in Frankreich noch nachgewiesen wird.

9. Tag: Wasserburg nach Radfeld in Tirol
Etwa 10 km nach Wasserburg waren die Buckel vorbei und es war mehr oder weniger eben. Das Panorama veränderte sich von den Voralben zu den Alpen. Ich bin in Tirol angekommen. Durchgangsstationen waren: Kufstein, Wörgel und am Tourende Radfeld und das bei nicht mehr ganz so heißen Temperaturen, einfach eine Traumgegend und dann noch dazu Radfahrerwetter, wer will da noch meckern. Radfeld, die kleinste Stadt in Österreich und da versuche ich jetzt mal was essbares zu finden.

Ohne Coronatest gibt es nix zu essen und nix zu trinken in Austria, also habe ich zwangsweise einen Coronatest durchführen lassen. Stäbchen in die Nase, nein, nacheinander in beide Nasenlöcher und danach hat der Wirt den Test abgeschmeckt, Quatsch, natürlich nicht, sondern ordnungsgemäß mittels verschiedener Präparate durchgeführt. Am Schluss hatte ich ein Plastikteil das den Test dokumentieren soll. Ich bin jetzt nachgewiesenermaßen gesund und bekomme etwas zum essen und ein schönes Bier zum trinken. Ich habe mich mit dem Wirt unterhalten, er macht das auf seine Kosten, wegen seiner Angst vor den sehr hohen Bußgeldern in Austria. Ich habe den Wirt gefragt, ob der Test den jetzt für immer gilt. Natürlich nicht, nur 48 Stunden, dann muss eine neuer Test her, Der Wirt, scheinbar ein Handyfreak, hat sich aber bereit erklärt mir den Test in einer App auf meinem Handy zu hinterlegen. So was hatte er noch nie, das hat nämlich nicht funktioniert mit dem Handy. Nun ja, dass das nicht immer funktioniert mit den Handys, das kenne ich auch und die Tests kosten ja nix, oder bin ich da falsch informiert?
Technik ist nur schön wenn sie funktioniert!

10. Tag: Radfeld in Tirol nach Bludenz
Wunderschöne Gegend und schöne Radwege, somit alles perfekt. Mittagspause habe ich in Innsbruck in einem Park an der Inn gemacht, habe mir die jungen Mädels angeschaut und bin danach weiter Richtung Bruneck gefahren. Irgendwann bin ich an einen Bahnhof gefahren um mit dem Zug nach Bludenz durch die Arlbergtunnels zu fahren. Keine Chance, an der Arlbergbahn wird gebaut und man muss das mit einem Schienenersatzverkehr von Innsbruck aus bewältigen. Also, wieder zurück nach Innsbruck, vorbei an einer Demo zum Hauptbahnhof. Danach ging alles ganz schnell und gegen 17.00 Uhr war ich in Bludenz und habe mir ein Hotel gesucht. Die obligatorische Frage nach dem Coronatest habe ich mit meinem neuen Nachweis erbracht, aber auch nur, weil die im Hotel keinen Barcodeleser hatten. Diese Corona Epidemie  nervt ohne Ende, mich persönlich macht die noch Wahnsinnig.

11. Tag Bludenz nach Amriswil
Die Tour war überwiegend flach auf nicht immer optimalen Radwegen. Mittagspause habe ich nur kurz in einem wunderschönen öffentlichen Park in Lustenau gemacht. Allerdings nicht lange, die auch in Austria neu hinzugekommenen Fachkräfte haben mich mit dem Gestank ihres Grillfeuers und ihrem lauten Getue doch zu sehr gestört, muss ich nicht haben, also bin ich weiter Richtung Bodensee gefahren und dann via Rorschach, wo ich meine Pause am See fortgesetzt habe, nach Romanshorn. In Romanshorn habe ich den doch mit Radfahrern übervölkerten Seeweg verlassen und folge jetzt dem Radweg Nr. 5 "Quer durch die Schweiz". Erste Station war ein Italiener, mit Übernachtungsmöglichkeit, in Amriswil. Übrigens in der Schweiz gilt/galt: Maskenpflicht ja, Coronatest und Nachweise nein. Was so ein kleiner Schritt über eine Grenze doch für Auswirkungen hat und die öffentlichen Brunnen haben im übrigen alle kühles Wasser mit Trinkwasserqualität, genauso wie in Tirol.

12. Tag Amriswil nach Lienheim
Zunächst ging es noch mit den Steigungen, aber nachdem ich den Radweg 5 in Richtung des Rheins verlassen habe, begann die Bergwertung. Meine Aussage: Wer aus lauter Angst, nie einen Berg erklommen hat, kann auch nie die schöne Aussicht genießen, gilt im übrigen auch in der Schweiz. Holla, der Mensch besteht aus Wasser und das läuft einem bei diesen Bergen aus allen Poren. Glücklicherweise hat die Schweiz genug kalte öffentliche Brunnen zum Nachfüllen. Am Abend habe ich dann zwecks Übernachtung in Hohentengen die Grenze nach Deutschland überquert und da ging der Mist mit Corona wieder weiter. Morgen bin ich in Frankreich und wenn das Procedere bezüglich Corona in Frankreich genauso schlimm ist, breche ich die Tour ab.

13. Tag: Lienheim nach Rheinfelden